Powerposing – mit Power vor Menschen reden

Viele Berufstätige kommen irgendwann einmal in die Situation, dass sie vor ihren Kollegen reden müssen. Vielleicht trifft es auch Sie und Sie dürfen einen Vortrag halten, ein Konzept vorstellen oder einfach Ihre Meinung vor einem Publikum vertreten. Solange Sie sich dabei wohlfühlen, werden Sie Ihren Auftritt geniessen. Was jedoch passiert, wenn das Gegenteil eintritt?

In ungewohnten Situationen reagiert unser Gehirn mit Reaktionsketten und signalisiert dem Körper Alarmbereitschaft. Im Körper passiert dabei einiges: Zuerst schüttet der Körper Adrenalin aus, welches als Stresshormon die Herzfrequenz steigern und den Blutdruck ansteigen lässt. Im günstigen Fall sorgt das Adrenalin für eine optimale Wachsamkeit. Wenn Sie sich nicht wohl fühlen, wird Ihr Vortrag mitunter von Stottern, „äh“-Lauten, Schweissausbrüchen und Händezittern begleitet.

Das Adrenalin kommt zum Glück nur kurze Zeit zum Einsatz. Etwa nach 10 Minuten nach der Adrenalinausschüttung folgt das Cortisol, welches die Wirkung des Adrenalins in auf niedrigerem Niveau aufrechterhalten wird. Die negativen Begleiterscheinungen halten also leider an.

Mir fällt auf, wenn die unerwünschten Begleiterscheinungen auftreten, sich der Vortragende oft klein macht und die Schulter hängen lässt. Könnte es einen Zusammenhang zwischen Haltung und Auswirkung geben?

Aus eigener Erfahrung als ehemaliger Turniertänzer habe ich gelernt, auf dem Tanzturnier eine dominante Startposition einzunehmen. Diese dominante (aufrechte) Haltung habe ich mir antrainiert und erzeugte jeweils ein gutes Gefühl eines Siegers.

Wenn ich vor Menschen spreche, nehme ich automatisch diese aufrechte Haltung ein (natürlich nicht die Tänzerhaltung) und lasse in mir dieses gute Gefühl aufkommen. Lässt sich meine Erfahrung wissenschaftlich belegen?

Amy Cuddy, eine amerikanische Sozialpsychologin, hat in einer Studie herausgefunden, dass leistungsfähige Führungskräfte in der Regel einen hohen Testosteronspiegel haben. Das Testosteron erhöht das Gefühl von Selbstvertrauen. Sie hat auch herausgefunden, dass unsere Körpersprache einen enormen Einfluss auf unseren Hormonhaushalt hat: Durch geeignete Posen sinkt der Cortisolspiegel  und stattdessen wird der Testosteronspiegel erhöht.

Hierzu reicht es, eine  Haltung einzunehmen und 2 Minuten in Pose beizubehalten. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten. Wählen Sie die aus, die Ihnen am besten behagt – Beispiel:

  • wie ein 800 m Läufer in der Startposition
  • Hände in die Höhe wie ein Sieger nach dem Marathon
  • wie ein Cowboy oder Wonderwoman Hände in die Hüfte

Fazit: Wenn Sie das nächste Mal vor Menschen sprechen dürfen, nehmen Sie sich zwei Minuten Zeit und gehen in diese Powerpose, die Sie für sich ausgewählt haben. Sie werden feststellen, dass Sie sich besser fühlen und Sie können Ihre Rede geniessen.                    

Referenzen

Amy J. C. Cuddy, Caroline A. Wilmuth and Dana R. Carney (2012). „The Benefit of Power Posing Before a High-Stakes Social Evaluation”. Harvard University, Working Paper

Dana R. Carney, Amy J. C. Cuddy, Andy J.  Yap, (October 2010). “Power Posing – Brief Nonverbal Displays Affect Neuroendocrine Levels and Risk Tolerance”. Psychological Science. 21 (10): 1363–1368.

Mehta, P. H., & Josephs, R. A. (2010). Testosterone and cortisol jointly regulate dominance: Evidence for a dual-hormone hypothesis. Hormones and Behavior, 58, 898-906.

Amy Cuddy (2012). „Ihre Körpersprache beeinflusst, wer Sie sind.“, TED: https://www.youtube.com/watch?v=Ks-_Mh1QhMc