Ist Veränderung der eigenen Persönlichkeit immer sinnvoll?

Viele Menschen wollen sich verändern, weil sie einen Vorteil daraus ziehen wollen oder mit sich und ihrer Persönlichkeit nicht zufrieden sind. Sie sehen, dass andere Menschen anders sind als sie und haben das Gefühl, dass die anderen daher ein leichteres Leben haben.

Vielleicht haben auch Sie diesen Wunsch nach Veränderung? Bevor Sie diesen Schritt gehen, sollten Sie sich fragen, warum Sie sich ändern wollen.

Dass wir alle unterschiedlich sind, ist leicht zu erkennen: Manche sind Draufgänger, andere vorsichtig. Die einen sind gewissenhaft, die anderen kümmert‘s nicht, wie das Umfeld reagiert. Bereits Hippokrates erwähnte die vier Temperamenttypen sanguinisch, melancholisch, cholerisch, phlegmatisch und diese hatten 2000 Jahre lang ihre Gültigkeit. Modernere Typenbeschreibungen finden sich zum Beispiel im DISG-Modell, Big Five und dem Persönlichkeits-Portrait von John M. Oldham. Oldham (2017) beschreibt 13 Persönlichkeitstypen, die wir alle in unterschiedlicher Ausprägung haben und so unseren Persönlichkeitsstil entwickelt haben. Die dominierenden Typen prägen unser Verhalten am stärksten. Die Frage ist, ob wir die Typen-Regler so verschieben können wie bei einem Mischpult, wo sich die Höhen und Tiefen einer Musikanlage einstellen lassen und dadurch die Musik anders klingt.

Unsere Persönlichkeit ist genetisch bedingt angeboren und wird ausserdem durch die Erziehung und das Umfeld geprägt. Dass das so ist, erkennen Sie bei Kindern aus einer Familie, zum Beispiel Ihren Geschwistern oder Ihren eigenen Kindern. Sie sind meist verschiedene Persönlichkeiten, obwohl sie im selben Umfeld aufwachsen.

Doch zum Glück haben wir Einfluss auf unsere Persönlichkeit und müssen den Grundstein aus unserer Kindheit nicht als Schicksal hinnehmen. Denn innerhalb dieser Ausprägung haben wir einen Gestaltungsrahmen. Wie wir mit unserem Gestaltungsrahmen umgehen und was wir daraus machen, macht uns schliesslich zu der Person, die wir sind.

So wurden auch Sie mit einem bestimmten Persönlichkeitsprofil ausgestattet. Dieses lässt sich feinjustieren, jedoch leider nicht austauschen. Vergleichen wir dazu das Mischpult wie es eingangs in der Fragestellung erwähnt wurde: Bei einem Funk- oder Rocksong können die Bassregler am Mischpult stark verändert werden, ohne dass der Charakter des Songs verlohren geht. Bei einem klassischen Stück würde derselbe Regler das Musikstück zu einem grauenvollen Etwas machen. So dürfen wir uns mit verschiedenen Musikstilen vergleichen: So wären manche von uns Rock-, andere Jazz-, wieder andere Klassische Musik, usw. und jede Musik hat ihre Persönlichkeit.

Ein Persönlichkeitsportrait kann Ihnen zeigen, wo Ihre Schwerpunkte liegen. Sind Sie zum Beispiel ein ungeselliger Typ, dann haben Sie vielleicht auch Schwierigkeiten damit, weil Sie als sonderbar oder schüchtern gesehen werden. Vielleicht ist es einfach Ihr Wunsch, Ihre Zeit oft alleine mit sich selbst zu verbringen und fühlen sich wohl dabei. Solange Sie unsicher sind, dass dies Ihrer Persönlichkeit entspricht, besteht der Wunsch nach Veränderung. Oft wird das komplette Gegenteil angepeilt, das heisst, aus einem Ungeselligen soll beispielsweise ein Party-Tiger werden. Das muss es nicht, nur das Umfeld meint, dass Sie zu ungesellig sind. Das gleiche lässt sich mit jedem anderen Persönlichkeitsstilen erklären.

Jede Persönlichkeit ist richtig, es gibt kein Falsch. Nur wenn eine Ausrichtung zu extrem wird, kann von einer psychischen Störung gesprochen werden. Solange das nicht der Fall ist, sind Sie richtig.

Wenn Sie trotzdem noch die Lust verspüren, sich zu verändern, dann vielleicht soviel, dass sie das Beste aus Ihrer Persönlichkeit machen und sich dabei wohlfühlen. Wenn wir auf das Beispiel des Ungeselligen zurückgehen: Sie dürfen auch als Ungeselliger, der normalerweise gerne alleine ist, auch mal unter die Leute und den Kontakt geniessen.

Wenn Sie sich also verändern möchten, dann fragen Sie sich, was sich in Ihrem Leben ändern würde. Wie würde Ihr Umfeld reagieren. Könnten Sie noch sich selbst sein? Welche Vorteile hätten Sie? Oder spielen Sie dann nur eine einstudierte Rolle?

Dies alles herauszufinden ist gar nicht so einfach. Leichter fällt es, wenn Sie eine andere Person einbeziehen, die Sie neutral bei der Entdeckungsreise begleitet. Ein Coach kann Sie hier professionell unterstützen.

Und vielleicht stellen Sie fest, dass die einzige grössere Veränderung nur die ist, Ihre Persönlichkeit zu akzeptieren und zu schätzen.

Und wie wollten Sie sich verändern?

Quellen

Oldham, Morris (2017): Ihr Persönlichkeitsportrait: Warum Sie genauso denken, lieben und sich verhalten, wie Sie es tun, Westarp, Hohenwarsleben

Saum-Aldehoff, Thomas (2012): Big Five – Sich selbst und andere erkennen; Patmos Verlag

Dauth, Georg (2012): Führen mit dem DISG-Persönlichkeitsprofil: DISG-Wissen Mitarbeiterführung (Whitebooks)

Adler, Alfred (1927): Temperamente und innere Sekretion; in: Menschenkenntnis, Online-Version, letzter Aufruf am 20. Juli 2018: https://www.textlog.de/adler-psychologie-temperamente-innere-sekretion.html

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